Kultursommer Raitenhaslach

Bilder deiner großen Liebe

von Wolfgang Herrndorf - Theatermonolog mit Isabel Kott

Do, 19. August 2021, 20:00 Uhr
Burghausen, Akademiezentrum TUM Raitenhaslach

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Open-Air-Veranstaltung. Platzzuweisung erfolgt vor Ort.

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Regie: Eos Schopohl

Ein Jahr nach dem Tod von Wolfgang Herrndorf erscheint sein Roman „Bilder deiner großen Liebe“ als unvollendetes Fragment. Es ist die Geschichte der Isa, dem Mädchen von der Müllkippe, welches in Tschick den beiden Helden Andrej und Maik begegnet. Alles beginnt vor den Toren einer geschlossenen Irrenanstalt: „Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.“ Aus der Anstalt reißt Isa aus und macht sich auf die Wanderschaft, losgelöst von Raum und Zeit, mit einer Wahrhaftigkeit, die der Welt der Erwachsenen abhanden gekommen ist. Völlig auf sich gestellt und allein wandert sie nachts, barfuß, durch Wälder und Wiesen, an Autobahnen entlang, durch Dörfer und Städte, immer den Sternen nach, nur mit ihrem Tagebuch als Kompass. „Die Sterne wandern, und ich wandre auch.“ Isa kann die Sonne anhalten und die Zeit still stehen lassen. Aber ebenso kann sie ganz real die Scheiben eines Supermarkts einschmeißen, und sich holen was sie braucht, um ihren Hunger zu stillen. Isa ist rotzfrech und eigenwillig. Hart gegen sich selbst. Und gleichzeitig schüchtern, verzagt und melancholisch. Mit der Einfachheit ihrer Gedanken scheint sie aus der Welt gefallen zu sein. Sie denkt und träumt, und nie weiß man, was erinnert sie, was hat sie wirklich erlebt, und was besteht nur in ihrer Phantasie? Was ist Wirklichkeit und was ihre Wahrheit? Und dennoch ist sie eine Person, die das tiefe Wissen und die gelebte Erfahrung eines alten Menschen in sich trägt. Sie ist keine Kindfrau, wie man sie in der Literatur antrifft, sie ist eine lebendig Suchende und eine die das Ende kennt. Immer wieder kreisen ihre Gedanken um den Sinn von Leben und Tod, um die Art und Weise wie sie sterben will, aber sie kämpft um ihr Leben! – wild entschlossen sich einen Platz auf dieser Welt zu erobern: „Der Abgrund zerrt an mir, aber ich bin stärker. (…) Ich bin das Kind.“

Foto: Claus Woelke